Zur Entstehung der Lutherischen Gemeinde in Pforzheim
Bis 1821 gab es im Großherzogtum Baden zwei evangelische Kirchen, eine lutherische mit 261000 Gliedern und eine reformierte mit 67000 Gliedern. Von der Obrigkeit wurde 1803 die „Egalisierung” der beiden Kirchenordnungen verfügt und 1821 die „vereinigte Evangelisch-protestantische Landeskirche in Baden” proklamiert und als Bekenntnisunion im ganzen Lande eingeführt. Trotz aller behördlichen Verbote bildeten sich unter Pfarrer Haag in Ispringen, Pforzheim und weiteren Ortschaften im Umkreis lutherische Religionsgemeinschaften. Unter seinem Nachfolger Pfarrer Rhode erkämpften sich die Ispringer 1855 beim Großherzog Ludwig „die obrigkeitliche Genehmigung zur geistlichen Betreuung der Lutheraner in Ispringen und Umgebung”.
Ab 1917 richtete Pfarrer Johne in der Waisenhauskirche zu Pforzheim regelmäßige Gottesdienste ein.
Am 18. Mai 1930 beschließt die Gemeindeversammlung in Ispringen mit großer Mehrheit „Die Selbstständigkeit der Filialgemeinde Pforzheim” (mit eigenem Kirchenvorstand).
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es aber noch eine zweite luth. Gemeinde in Pforzheim, die sog. „Sperlingshof-Pforzheimer Dreieinigkeitsgemeinde” die sich ab 1924 in je eine Gemeinde Pforzheim und Sperlingshof aufteilte.
1950 kommt Pfarrer Burmeister nach Ispringen und richtet im gleichen Jahr wieder regelmäßige Gottesdienste in Pforzheim ein. Unter Betreiben von ihm finden „die lutherischen Pforzheimer” nach den Wirren und in den Trümmern des 2. Weltkrieges zusammen. Ende 1951 hat diese Gemeinde 194 Glieder.
Als Folge des Krieges ergießt sich ab 1952 ein Strom von Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten nach Pforzheim. Pfarrer Burmeister sammelt diese Lutheraner und die Gemeinde wächst bis 1957 auf 1456 Glieder.
Im August 1952 wird der Bau eines Gemeindezentrums beschlossen.
Am 2. Mai 1954 wurde in einer Gemeindeversammlung erstmalig eine „Gemeindevertretung” berufen und gewählt.
Es wurde ein Pfarrhaus gebaut, Pfarrer Burmeister und das Pfarramt zogen 1956 nach Pforzheim um.
Trotz regen Gemeindelebens nahm die Zahl der Gemeindeglieder kontinuierlich ab (1974 bis auf 889). In den folgenden Jahren kamen, erst vereinzelt und später in größeren Gruppen, Umsiedler aus der Sowjetunion nach Pforzheim, die sich unserer Gemeinde anschlossen. Sie hatten trotz vieler Restriktionen über viele Jahrzehnte hinweg in diesem fremden Land Religion und zum großen Teil auch ihre deutsche Sprache bewahrt. Die Zahl der Gemeindeglieder wuchs bis 1979 auf 1082 und hat sich in dieser Größenordnung stabilisiert (ca.15 % alte Pforzheimer, 48 % ehem. Flüchtlinge, 36 % Umsiedler). Die Integrationskraft der Gemeinde war wieder gefragt und die Umsiedler mussten sich mit einer in ihrer Entwicklung weiter fortgeschrittenen Kirche auseinandersetzen.
So bildet unsere Gemeinde keine in vielen Jahrzehnten gewachsene Einheit, sondern ein wunderbar reiches buntes Gemisch von Menschen, mit den unterschiedlichsten Biographien und Dialekten, die sich gemeinsam sonntäglich in dieser Kirche unter Gottes Wort versammeln. Wir sind dankbar für die vielen sichtbaren und unsichtbaren Dienste die in, an und durch diese Gemeinde aus Gottes Gnade getan werden konnten.
